Warum musste Jesus am Kreuz leiden?

Für viele Menschen ist es unmöglich anzunehmen, dass Gott seinen geliebten Sohn martern lies. Ihnen grenzt es an Gotteslästerung, ein solches Handeln einem liebenden Gott zuzuschreiben.
Warum also musste Jesus solche Leiden auf sich nehmen und wie ist dies mit einem liebenden Gott in Einklang zu bringen?

"Die gefallenen Geister standen ja unter der Herrschaft Luzifers. Wie sollte diese gebrochen werden, wenn Luzifer keinen der einst zu ihm übergetretenen Geister freigab, sondern stets das ihm von Gott eingeräumte Herrscherrecht über sie geltend machte?
Wer aber sollte Satan zwingen, auf seine Rechte wenigstens denen gegenüber zu verzichten, die in Reue zu Gott zurückwollten?
Gewiss, Gott hätte ihn zwingen können. Aber seine Gerechtigkeit hatte ihm jenes Recht verliehen, und darum verbot es dieselbe Gerechtigkeit, es ihm zu schmälern.
Nur ein Geist, der sich in den Herrschaftsbereich des Fürsten der Finsternis begab und somit alle Drangsale seiner Gewaltherrschaft auf sich nahm, hatte das Recht, den Kampf gegen ihn aufzunehmen. So ist es ja auch bei euch internationales Recht, dass ein von seinen Machthabern unterdrücktes und gequältes Volk sich selbst gegen seine Peiniger erhebt und ihr Joch abzuschütteln sucht.
Doch durfte ein solcher Geist nicht durch Abfall von Gott Untertan Luzifers werden. Denn sonst wäre er ihm rettungslos verfallen gewesen.
Es musste ein Geist des Himmels sein, der auf dem Wege der Menschwerdung nur äußerlich in den Herrschaftsbereich Satans trat. Denn alles, was in der Materie verkörpert ist, untersteht dem Einfluss der bösen Mächte. Darum hat das Böse über alle irdischen Wesen eine so große Gewalt, selbst wenn sie der Gesinnung nach nicht dem Bösen angehören. Auch die gottestreuesten Menschen erfahren täglich die Macht des Bösen an sich und straucheln oft unter seinem Einfluss.
Darum war es für den betreffenden Geist des Himmels ein großes Wagnis. Er war ja nach seiner menschlichen Geburt ein Mensch, wie alle anderen Menschen. Er hatte keine Erinnerung an sein früheres Dasein als Geist des Himmels. Er wusste also nicht, wer er war, kannte auch zunächst nicht die Aufgabe, die er durch seine Menschwerdung zu lösen hatte und wurde zum Bösen und vom Bösen versucht, wie alle anderen Menschen. Gott gab ihm auch nicht mehr geistige Hilfe, wie jedem anderen. Das hätte der Gerechtigkeit Gottes widersprochen. Die größere Hilfe Gottes, die dieser menschwerdende Himmelsgeist zur Lösung seiner Aufgabe nötig hatte, musste er sich dadurch verdienen, dass er den an ihn herantretenden Angriffen des Bösen widerstand. In dem Maße, wie er in den großen Versuchungen zum Bösen festblieb, empfing er immer größere Hilfe Gottes. Das ist bei allen Menschen so. Aber in dem gleichen Maße, wie die Hilfe Gottes bei ihm zunahm, durfte auf der anderen Seite auch das Böse seine Angriffe gegen ihn verstärken. Denn Gott lässt niemand über seine Kräfte versuchen. Das Kind darf vom Bösen nicht so schwer angefallen werden, wie der Erwachsene. Man darf keinem eine Zentnerlast auf die Schultern legen, wenn seine Kräfte bloß für einen halben Zentner ausreichen.
So durfte auch jener menschwerdende Geist des Himmels als Kind nicht so schwer vom Bösen angefochten werden, wie in seinen reiferen Jahren. Und erst, wenn er die Erkenntnis gewonnen hatte, wer er war und welchen Zweck seine Menschwerdung hatte, wurde der Hölle gestattet, mit allen Machtmitteln gegen ihn anzugehen. Dann begann der Vernichtungskampf. Es war also für jenen Geist als Mensch ein Verteidigungskampf gegen das Böse, das ihn zum Abfall von Gott zu bringen suchte. Es musste ein Kampf werden, der für den menschgewordenen Himmelsgeist, sofern er bis zum Schluss standhaft blieb, mit einem martervollen irdischen Tod endete. Denn es ist die ständige Kampfart der bösen Mächte, dass sie die Festung, die sie mit kleineren und mittleren Geschützen nicht niederkämpfen können, mit dem schwersten Kaliber irdischer Qualen zur Übergabe zu zwingen suchen. Dafür finden sie unter den Menschen stets Werkzeuge und Helfershelfer genug.
Blieb jener Geist trotz der größten Qualen, die ihm als Mensch von Seiten der Höllenmächte und ihrer menschlichen Werkzeuge seelisch und körperlich angetan wurden, bis zum letzten Atemzuge standhaft und seinem Gotte treu, dann hatte er sich durch diesen Verteidigungskampf gegen das Böse die größte Hilfe und Kraft Gottes verdient, die ein Geist erlangen kann. Mit dieser Gotteskraft ausgerüstet, konnte er nach seinem irdischen Tode als Geist gegen die Hölle im Angriffskampf vorgehen, gegen die er als Mensch bloß im Verteidigungskampf hatte stehen können. Sein Sieg über Luzifer war ihm dann gewiss. Denn die Kampflegionen des Himmels standen ihm zur Verfügung. "
(Auszug aus dem Buch "Der Verkehr mit der Geisterwelt Gottes")