Gibt es eine ewige Verdammnis oder werden letztlich alle gerettet?
Stelle Dir bitte folgende Situation vor:
Du bist Vater oder Mutter von 10 Kindern. 9 von ihnen werden dir ungehorsam. Aufgrund deiner Bemühungen gelingt es dir, 2 von diesen 9 ungehorsamen Kindern zu dir zurückzuführen. Die anderen 7 wollen immer noch nichts von dir wissen und du lässt sie in einen Folterkeller werfen, wo sie auf immer und ewig gepeinigt werden.
Ist das für dich eine Freudenbotschaft? Würde es dich nicht in Entsetzen treiben, immer wenn Du an die 7 denkst?
Und wenn du als Mensch schon so fühlst, sollte Gott dann nicht erst recht so fühlen?
"Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wieviel mehr wird euer Vater, der in den Himmeln ist, Gutes geben denen, die ihn bitten!" (Mt 7,11)
Und trotzdem sollte Gott, der die Liebe ist, ("Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt, denn Gott ist Liebe." (1.Joh. 4, 8) ) so handeln? Wie würde er sich wohl dabei fühlen, wenn unzählige seiner Geschöpfe, seiner geliebten Kinder auf immer gequält werden?
Was sagt die Bibel zu der Frage?
Immer wenn in den deutschen Bibelübersetzungen das Wort "Ewigkeit" oder "ewig" gebraucht wird, findet man in dem griechischen Text das Wort "Aeon". Auch in unserem Sprachgebrauch gibt es das Wort "Aeonen". Damit werden große Zeiträume bezeichnet. Auch im griechischen hat es die Bedeutung eines Zeitraumes von unbestimmter Dauer. Das Altertum war ein "Aeon", das Mittelalter war ein "Aeon", die Neuzeit ist ein "Aeon". Nach der Anschauung der Römer war ein "Aeon" ein Zeitraum von hundert Jahren.
Ein "Aeon" ist also eine Zeitdauer, deren Grenzen bald weiter auseinander-, bald näher zusammenliegen.
Es ist nun eine merkwürdige Tatsache, dass die Übersetzer an zahlreichen Stellen der Bibel das Wort "Aeon" und das davon abgeleitete Eigenschaftswort in dieser Weise mit "Zeit" und "zeitlich" wiedergeben, weil das Wort "ewig" an jenen Stellen widersinnig wäre. Nur dort, wo von einer jenseitigen Strafe die Rede ist, gebrauchen sie das Wort "ewig".
Bei dem Gleichnis von dem Sämann (Mt. 13) wird gesagt, dass bei einigen der Same erstickt wird durch die Sorgen dieses "Aeon", was mit "zeitlichen Sorgen" übersetzt ist.
In dem Gleichnis von dem Unkraut unter dem Weizen sagt Christus, dass die Ernte das Ende dieses "Aeon" sei, also das Ende dieser Zeit oder dieser Welt. Auch hier kann es nicht "Ewigkeit" heißen. An dieser Stelle kommt das Wort "Aeon" noch zweimal in der Bedeutung von "zeitlich" vor.
Die Übersetzung als "Ewigkeit" ist auch grammatikalisch unsicher, da das Wort "Ewigkeit" im deutschen niemals in der Mehrzahl vorkommen kann, was beim "Aeon" durchaus der Fall ist.
Nun steht das Wort "Aeon" an den Stellen, wo von einer jenseitigen Strafe die Rede ist. Warum wird dasselbe Wort, das an zahlreichen anderen Stellen mit "Zeit" und "zeitlich" übersetzt wird, gerade dort mit "ewig" wiedergegeben, wo es sich um die Höllenstrafe handelt? Man könnte fast meinen, die Übersetzer hätten eine besondere Freude an einer ewigen Hölle. Vielleicht lassen sich aber auch verängstigte Laien so besser "lenken"...
Wie lässt sich die Aussage, dass viele verloren gehen, mit manchen Aussagen der Bibel vereinbaren?
So z.B. in 1.Kor 15,22:"Denn wie in Adam alle sterben, so werden auch in Christus alle lebendig gemacht werden." Wenn alle lebendig gemacht werden, wer stirbt dann noch?
Oder in Offb. 21,4: "Und er wird jede Träne von ihren Augen abwischen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Trauer, noch Geschrei, noch Schmerz wird mehr sein: denn das Erste ist vergangen." Wenn kein Geschrei und kein Schmerz mehr sein wird, was ist dann mit denen, die doch angeblich "ewige" Höllenqualen zu erleiden haben?
An dieser Stelle drängt sich auch die Frage auf, was denn eigentlich der Tod im Sinne der Bibel ist.
Dass in der Bibel der Begriff "Tod" verschiedene Bedeutungen haben muss, sieht man z.B. aus folgenden Stellen: "Jesus aber spricht zu ihm: Folge mir nach, und lass die Toten ihre Toten begraben!" (Mt 8,22)
Wie können Tote denn noch etwas tun? Also muss der Begriff "Tod" noch eine andere Bedeutung haben...
Schauen wir nun in Eph 2,1: "Auch euch <hat er auferweckt>, die ihr tot wart in euren Vergehungen und Sünden." Aha, wenn man in Vergehungen und Sünden lebt, ist man tot!
"Denn der Lohn der Sünde ist der Tod." (Röm 6,23)
Somit heisst also Mt 8,22 sinngemäß: "Lass die in der Sünde lebenden ihre Verstorbenen begraben."
Wer in der Sünde lebt, der trennt sich von Gott. Der Tod ist die Trennung von Gott.
Das ersieht man besonders auch in 1. Mose 2,17 wo Gott zu Adam und Eva sagt: "An dem Tage, da ihr davon esset, müsst ihr des Todes sterben." Sie starben nicht etwa den irdischen Tod, sondern wurden aus dem Paradies, aus der Gegenwart Gottes verbannt. (Sie trennten sich von Gott - und verbannten sich dadurch selbst, aber das ist eine andere Geschichte...)
Wenn man sich mit diesem Hintergrund noch einmal Offb. 21,4 anschaut ergibt sich folgendes:
"Und er wird jede Träne von ihren Augen abwischen, und der Tod (= die Trennung von Gott) wird nicht mehr sein, ... "
Und wenn die Trennung von Gott nicht mehr existiert, dann auch nicht in einem ewigen Höllenfeuer! Dann sind alle zu ihm zurückgekehrt!